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    Mefistofele, Oper von A. Boito

    Mefistofele, Oper von A. Boito

    Mefistofele ist die beliebteste Operninterpretation der Legende von Doktor Faust und seinem schicksalhaften Pakt mit dem Teufel. Da sie die einzige Oper von Arrigo Boito ist, bietet sie auch deshalb ein besonderes Erlebnis. Der italienische Komponist und Librettist näherte sich dem Ausgangsmaterial mit Ehrfurcht und Ehrgeiz. Von früheren Opernfassungen unbeeindruckt, setzte er sich hohe Ziele und wollte Johann Wolfgang von Goethes Epos gleichsam musikalisch wie dramatisch gerecht werden. Dennoch war Mefistofele kein sofortiger Erfolg. Bei der Uraufführung am Teatro alla Scala in Mailand am 5. März 1868 verärgerten die langen fünf Akte das Publikum, und die modern klingende Partitur erwies sich als Herausforderung sowohl für das Orchester als auch die Besetzung. Trotz der Rückschläge machte Boito weiter. Er kürzte das Werk, um der mangelnden Ausdauer des Publikums Rechnung zu tragen, behielt jedoch gleichzeitig die Vollständigkeit der Geschichte bei. Der neu interpretierte Mefistofele wurde im Jahr 1875 am Teatro Communal in Bologna uraufgeführt und erhielt einige Auszeichnungen und Lob. Die Fassung am Gran Teatro La Fenice in Venedig wird zeigen, warum es noch immer die beste musikalische Wiedergabe des Faust-Mythos ist.

    Bei der musikalischen und erzählerischen Weiterentwicklung von Mefistofele hatte Boito stets Goethes Meisterwerk im Blick und bemühte sich, seine vielen Qualitäten auf die Opernbühne zu übertragen. In Anlehnung an Richard Wagner schrieb Boito auch das Libretto – ein riskanter Schachzug in der damaligen italienischen Oper. Die Handlung blieb Goethes Original treu. Boito übersetzte also den deutschen Ausgangstext größtenteils wörtlich ins Italienische. Im Mittelpunkt der Handlung steht Doktor Faust, der seine unsterbliche Seele gegen Jugend und irdische Glückseligkeit eintauscht, was ihm Mefistofele bzw. der Teufel als Gegenleistung verspricht. Seine Begegnungen, insbesondere seine Romanze mit der gutherzigen Margherita, enden ausnahmslos in einer Tragödie. Ob Faust weiterhin jeden zerstören wird, der seinen Weg kreuzt, oder ob er die Kraft dazu findet, seinen Pakt mit dem Teufel zu brechen – das vermag nur die vollständige Oper zu zeigen!

    Das Gran Teatro La Fenice inszeniert in dieser Saison Boitos Mefistofele mit der Absicht, das Publikum tief in die Faust-Legende eintauchen zu lassen. Die Oper befasst sich mit den zeitlosen Themen Verlangen, Moral, Sterblichkeit und der Suche nach Wissen. Die einzige Oper, die Arrigo Boito zu seinen Lebzeiten vollendete, schien ihrem Autor alles abverlangt zu haben. Und die Ergebnisse sprechen für sich: Obwohl Mefistofele zunächst kein überwältigender Erfolg beschieden war, hat er den Test der Zeit überdauert und fasziniert immer noch das Publikum auf der ganzen Welt. Diese Saison in Venedig wird nicht anders sein.




    image Gran Teatro La Fenice / Fondazione Teatro La Fenice, Michele Crosera